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Räume der Stille und der Gottbegegnung

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Es perlt der Brunnen
das Samenkorn will wachsen
Perle für Perle kostbare Kraft
aufgehend das Korn in der
aufsteigenden Sonne

Es perlt die Gnade
in unsere Seelen
Tropfen für Tropfen
die Worte der Schrift
kostbar gelesen

Unermüdlich unendlich
unfassbar die Quelle
des Lebens Kraft
Sekunde für Sekunde
neu erschaffen in Gottes Hand.

Christa E. Wittkämper-Hüppchen, im August 2010
 
  

Ich - die Samariterin heute.

Ich trete aus dem Haus und bin allein mit mir.
Die Sonne steht hoch am Himmel, es ist Mittagszeit.

Wohin gehe ich? Was treibt mich? Wen suche ich?
Ich habe Sehnsucht nach der Sehnsucht - die Jesus heißt.

Ich mache Rast am Wegrand, ich halte inne und warte.
Ich erspüre, dass ich bei mir ankomme und erlebe:

Der Brunnen ist in mir!

Ich möchte es begreifen, erfahren und festhalten.
Jesus öffnet mir den Brunnen, er ist für mich da.

ER öffnet sich mir:

wenn ich bei mir zu Hause bin;
wenn meine Sehnsucht in der Begegnung ruht;
wenn ich mich ihm aussetze;
wenn ich anfange meine Gedanken mit meinen Erinnerungen zu verbinden;
wenn ich danke, dass ER mich gerufen hat;
wenn ich fest daran glaube, dass Jesus meine Sehnsucht ernst nimmt;

Dann - ja dann - darf ich die Samariterin sein, die ich sein möchte.
Ja, der Brunnen ist in mir, und ich bin gewiss, Jesus lässt sich finden,

"Jesus lebt  -  in mir".

S. Coleta, Linz im März 2009
 
 
 
Danke, Herr, für die Tage der Stille,
die ich mit dir am "Jakobsbrunnen" verbracht,
wo mir deine sprudelnde Gnadenquelle
neue Begeisterung und Kraft entfacht.

Du Herr, bist der Brunnen, zu dem ich eile,
wenn müde ich bin und Durst mich quält.
Im Zwiegespräch mit dir gern ich verweile,
weil ein Wasser des Lebens mich nährt.

S. Felicitas, Linz im März 2009
 
 

Die Samariterin traf Jesus am Brunnen.                                                                  
Auch ich möchte Jesus treffen.
In mir ist große Sehnsucht
IHM zu begegnen, mit IHM zu sprechen -
doch wo ist mein Brunnen?
Johannes sagt:
"Wer Durst hat, komme zu mir und trinke.
Wer an mich glaubt, von dem sagt die Schrift,
das aus seinem Innern
Ströme lebendigen Wassers fließen werden"
(Joh. 7,37f)

Lebendiger Gott,
in der Samariterin am Jakobsbrunnen
spiegelt sich ein Stück weit meine eigene Lebensgeschichte.
Du kommst mir entgegen.
Du wartest auf mich am Brunnenrand.
Möge ich bereit sein zur Begegnung mit dir.

Und mal angenommen - ich bin selber ein Brunnen.
Kein Brunnen kann mehr geben, als ihm zufließt.
Wieviel Wasser ist in mir gesammelt?
Wie gebe ich es ab?

Nehme ich Menschen in meiner Umgebung wahr,
die keinen inneren Brunnen haben -
die am verdursten sind?
Könnte ich sie zu einem Brunnen führen? 

sm, Nonnenwerth Februar 2009

Gespräch am Jakobsbrunnen

Abschlussfeier des Provinzkapitels am 8. Mai 2008

Die Samariterin und der Evangelist Johannes kommen zum Brunnen

Johannes: Danke, dass du dich bereit erklärt hast, dich hier am Brunnen mit mir zu treffen!

Samariterin: Ja, ich gehe immer wieder einmal hierhin, Johannes, nicht, um Wasser zu holen, sondern um mich zu erinnern. Weißt du, die Erinnerung an den, dem ich damals hier begegnet bin, ist für mich zu einer Quelle geworden, aus der ich immer wieder schöpfen kann.

Johannes: Ich habe die Situation damals noch gut im Gedächtnis: Wir waren mit Jesus auf dem Weg von Judäa nach Galiläa und kamen hier durch das Gebiet von Sychar. Es war heiß und wir wollten an diesem Brunnen Rast machen. Jesus schickte uns in den Ort, um Brot zu kaufen. Als wir zurückkamen, sahen wir schon von weitem, dass er mit einer Frau sprach, und wunderten uns über ihn – wie so oft. Beim Näherkommen merkten wir, dass du sehr bewegt warst. Und dann liefst du plötzlich fort – den Weg zurück zum Ort – ohne deinen Krug. Den hast du einfach stehen lassen. Und wir spürten, dass auch Jesus noch ganz mit seinen Gedanken bei eurem Gespräch war. – Magst du mir von eurer Begegnung damals erzählen?

Samariterin: Gern – obwohl es schwer in Worte zu fassen ist, was an jenem Tag geschah – hier am Jakobsbrunnen. Unser Vater Jakob hat einmal von einer Himmelsleiter geträumt und das Tor des Himmels offen gesehen. Für mich hat sich, glaube ich, damals hier etwas von diesem Traum erfüllt, als ich IHM begegnet bin…

Johannes: … IHM, Jesus, der einmal von sich gesagt hat: Ich bin die Tür…

Samariterin: … und es kam völlig überraschend und unverdient. Jakob war vormals auf der Flucht vor seiner Schuld, als Gott ihm begegnete. Und ich – ich kam immer allein zum Brunnen, mittags, wenn die Sonne brannte und ich sicher sein konnte, niemanden unterwegs zu treffen. Die Bemerkungen der anderen Frauen über meinen Lebenswandel – ich konnte und wollte sie nicht mehr hören.

Johannes: Allein und verstoßen – wie Hagar auf dem Weg durch die Wüste. Da öffnete Gott ihr die Augen, und sie erblickte einen Brunnen… (Gen 21,19a)

Samariterin: Ja, auf einmal blickte ich auf und sah IHN. Jesus saß hier am Brunnenrand. Ich war verwirrt – ein fremder Mann, ein Jude. Sollte ich umkehren, zurückgehen? Aber er sah mich schon von weitem kommen. (vgl. Lk 15,20) Ich spürte seinen Blick – und irgendetwas zog mich zu IHM hin. Da war der quälende Durst in meinem Innern – aber das war es nicht allein…

Johannes: Vielleicht hat dich bewegt, was Gott durch den Propheten sagt: Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser… (Jes 55,1)

Samariterin: Und dann stand ich vor IHM, meinen Krug in der Hand, erschöpft und durstig – und da spricht ER mich an: Gib du mir zu trinken! ER – der Fremde – bittet mich – eine Samariterin – um Wasser! Ich war verwirrt. Was ist das für ein Mensch, der da mit mir spricht? Ist er anders als die Männer, bei denen ich bislang versucht habe, meinen Lebensdurst zu stillen? Wer ist er? Die Frage ließ mich nicht mehr los.

Johannes: Jesus war ein Dürstender – bis zuletzt. Am Kreuz hängend hat er es hinausgeschrien: Mich dürstet! (Joh 19,28b) Seine flehende Bitte traf mich ins Herz – damals, als wir bei ihm unter dem Kreuz standen. Ich glaube, nur seine Mutter hat in dem Augenblick verstanden, was er meinte; Maria aus Magdala hat es vielleicht geahnt: IHN düstet nach Liebe! Nach unserer Liebe! Gottes Sehnsucht nach uns Menschen, nach unserer Antwort auf seine Liebe – ER hat sie vom Kreuz aus uns allen zugerufen. Mich dürstet! Sein Ruf will unser Herz aus Stein berühren – so wie der Stab des Mose damals an den Felsen schlug. Wenn wir uns anrühren lassen, öffnet sich unser Herz und der lebendige Quell der Liebe kann strömen.

Samariterin: Ja, seine Sehnsucht weckt unsere Sehnsucht. Seine Bitte um Wasser ließ mich damals die Unstillbarkeit meines Lebensdurstes spüren. Wie über den Brunnenrand schaute ich in die Tiefe, in die rissige Zisterne (vgl. Jer 2,13) meines Lebens. All die Begegnungen, die Männer, die ich hatte, - nichts hatte meine Sehnsucht auf Dauer stillen können.

Johannes: So fragt ER uns auch heute immer wieder: Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? (Jes 55,2a)

Samariterin: Ja, warum? Weil wir immer noch nicht begriffen haben, was auch ich damals nicht gleich verstand: Wenn du wüsstest, sagte er, wer mit dir spricht und worin die Gabe Gottes besteht, dann hättest du mich um Wasser gebeten, um lebendiges Wasser!

Johannes: Lebendiges Wasser - SEIN Geist in uns! Das hat er auch damals gemeint, als wir mit ihm in Jerusalem beim Laubhüttenfest waren. Die Priester waren im Tempel gerade dabei, mit Wasser, das sie Teich Schiloach geschöpft hatten, um den Altar zu schreiten, da rief Jesus plötzlich laut: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Aus seinem Innern werden Ströme lebendigen Wassers fließen! (Joh 7, 37f)

Samariterin: So hat ER es auch mir versprochen: Das Wasser, das ER gibt, wird im Innern des Menschen zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

Johannes: ER ist das Leben (Joh 14,6), das in uns allen lebt! Wenn wir in seiner Liebe bleiben, dann bleibt ER in uns und sein Geist bringt in uns Frucht. (Vgl. Joh 15)

Samariterin: Hier ist der Brunnen, an dem ich IHM begegnet bin – und darum komme ich gern hierher. Doch ich erfahre immer mehr: In mir, in meiner Tiefe ist die Quelle, von der ER sprach. Ein verschlossener Garten ist meine Braut heißt es im Hohenlied – ein versiegelter Quell. ER, Jesus, hat ihn geöffnet, den Brunnen lebendigen Wassers, den versiegelten Quell in meinem Innern (vgl. Hld 4,12.15).

Johannes: Den Geist seiner Liebe hat er in unsere Herzen gegossen (vgl. Röm 5,5); wir sind sein Tempel (vgl. 1 Kor 3,16) und dort entspringt die Quelle, deren Wasser alles heil macht (vgl. Ez 47).

Samariterin: Ja, die Begegnung mit Ihm hat auch mich geheilt. ER hat mich zu meiner Wahrheit befreit, zum Eingeständnis all der enttäuschenden Erfahrungen, die meine Sehnsucht nicht gestillt haben. Seit unserem Gespräch damals lebe ich allein – aber ich bin niemals einsam. In der Stille des Gebetes spüre ich: ER ist bei mir.

Johannes: Den Tempel in Jerusalem haben die Römer zerstört, das Heiligtum auf dem Garizim ist bedeutungslos geworden. Jeder Ort kann Ort des Gebetes sein…

Samariterin: In Geist und Wahrheit sollen wir beten, hat ER gesagt – in der Wahrhaftigkeit unseres Lebens und in Seinem Geist.

Johannes: Seine Worte sind Geist und Leben (vgl. Joh 6,63). Überall, wo wir uns an seine Worte und Taten erinnern, schöpfen wir aus der Quelle lebendigen Wassers.

Samariterin: Du hast Recht! Bei uns in Sychar gibt es seit Pfingsten eine kleine Gemeinde. Am ersten Tag der Woche versammeln wir uns abends, lesen in den alten Schriften und erinnern uns an Seine Worte, die er gesprochen hat. Dann ist mir manchmal, als wäre ER wieder bei uns; als würde ich wieder seine Stimme höre – wie damals: Ich bin es! Ich, der mit dir spricht.

Johannes: Mir geht es auch so. Wenn wir in den Gemeinden das Brot brechen und aus dem Becher trinken, dann ist ER in unserer Mitte, dann schöpfen wir aus der Quelle, aus der sein Leben strömt (vgl. Offb 7,17). Und dann habe ich es wieder vor Augen, das schreckliche und zugleich geheimnisvolle Geschehen auf Golgotha: Als der Soldat mit der Lanze in seine Seite stieß, flossen Blut und Wasser heraus. (Vgl. Joh 19, 34)

Samariterin: Ja, sein Herz ist die Quelle des Lebens, die unaufhörlich strömt. Man sagt, im Augenblick seines Todes sei der Vorhang im Tempel zerrissen (vgl. Mt 27,51). Da erfüllte sich, was unser Vater Jakob im Traum geschaut hat: Das Tor des Himmels, der Weg zu Gott ist offen.

Johannes: Und wir sind eingeladen. Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. (Offb. 22,17)

Samariterin: Eine frohe Botschaft! Darum habe ich damals auch meinen Krug hier stehen lassen und bin zu den anderen in den Ort gelaufen. Es sprudelte aus mir heraus: Ich wurde von dem gefunden, den meine Seele liebt! (Hld 3,1)

Johannes: Eine Frohe Botschaft, die verkündet werden will. Darum danke ich dir, dass du mir deine Geschichte erzählt hast, deine Begegnung mit Jesus hier am Brunnen. Ich will sie aufschreiben, damit viele davon erfahren, damit auch sie den Weg zur Quelle des Lebens finden…

Samariterin: Damit auch sie – wie ich damals – erkennen dürfen: Er ist es! ER ist der Messias, der Sohn Gottes…

Johannes: … und damit sie durch den Glauben das Leben haben in seinem Namen. (Joh 20,31)

Brunnengebet



Hier am Brunnen
höre ich das Rauschen,
sehe ich das Wasser sprudeln

und denke an die Kraft Gottes,
frisch, stark, unverbraucht.
Erfrischende Kühle
statt versengender Sonne,
gleichmäßiges Plätschern
anstelle von aufdringlichem Lärm.
An deinem Brunnen, Gott,
ist Platz für mich.
An deinem Brunnen, Gott,
habe ich Zeit,
begegne ich dir,
begegne ich mir.
An deinem Brunnen
schöpfe ich Kraft aus dir.

Am Brunnen
erinnere ich meinen Urspruch,
Gott, Quelle des Lebens.
Am Brunnen
reinige ich mich,
erfrische ich mich
für einen neuen Anfang.
Gott, Quelle des Lebens,
fließe in mir,
unversiegbar, ausdauernd.
Ich schöpfe aus dir.

Hanne Köhler

 



 
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